Ressourcen
ent­wickeln

Nachhaltige Rohstoffe einkaufen, die Mitar­beiter aus- und weiterbilden, Produktionskapa­zitäten ausbauen oder bestehende optimieren: Symrise investiert auf vielen Ebenen in sein Geschäft, das im Jahr 2018 zum 13. Mal in Folge ­gewachsen ist. Wie das Unternehmen seine Ressourcen ständig weiterentwickelt und so er­folgreich wirtschaften kann, erklärt Dr. Heinz-­Jürgen Bertram im Interview. Die Grundlagen für eine vielversprechende Zukunft sind gelegt, sagt der Vorstandsvorsitzende von Symrise – und gibt Einblick in die neuen langfristigen Ziele für das Jahr 2025.

Herr Dr. Bertram, Symrise ist seit dem Börsengang im Jahr 2006 ständig gewachsen. Wie sah das Jahr 2018 aus?

Wir haben wieder einen Umsatzrekord erzielt, mit 3.154 Mio. € und einem EBITDA von 631 Mio. €. Unsere Umsatzrendite liegt bei 20 % und bewegt sich so innerhalb unseres Zielkorridors von 19 bis 22 %. Ebenso entscheidend ist für uns, dass wir mit unseren vielfältigen Produkten schneller als der Markt wachsen. Unser CAGR, also die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate un­seres Umsatzes, belief sich im Zeitraum 2006 bis 2018 auf 8,2 %.

Sehen Sie ähnliche Entwicklungen auch für die Zukunft?

Im Januar 2019 haben wir auf unserem Investorentag in Charleston, South Carolina, USA, unsere neuen Langfristziele bis 2025 bekanntgegeben. An den Zahlen ist abzulesen, dass wir auch weiterhin ehrgeizige Ziele verfolgen. Den Umsatz wollen wir bis dahin auf etwa 5,5 bis 6 Mrd. € steigern, was ein jährliches organisches Umsatzwachstum zwischen 5 und 7 % bedeutet. Gleichzeitig – und das ist uns besonders wichtig – soll sich unsere Profitabilität verbessern, die sich ohnehin schon auf hohem Niveau bewegt. Wir wollen ab 2021 eine EBITDA-Marge erwirtschaften, die zwischen 20 und 23 % liegen soll.

3154

Mio. € Umsatzrekord 2018

Wie wollen Sie das erreichen?

Mit unserer Strategie haben wir uns vor Jahren gut aufgestellt. Sie basiert auf den drei Säulen Wachstum, Effizienz und Portfolio, deren Zusammenspiel die Basis für unser langfristiges profitables Wirtschaften bildet. Wir setzen weiterhin auf organisches Wachstum, angrenzende Wachstumsfelder wollen wir durch Kombina­tionen unserer vielfältigen Kompetenzen erschließen. Darüber hinaus richten wir das Unternehmen eng an den Marktanforderungen aus. Unser Portfolio bauen wir weiter in die Richtung innovativer und margenstarker Produkte aus, diversifizieren es und erreichen zugleich erkennbare Synergieeffekte. Nicht zuletzt werden wir immer effizienter und zunehmend nachhaltiger. Darüber hinaus wollen wir wachsen, indem wir strategische Akquisitionen tätigen. Dazu gehört die im Januar unterzeichnete Vereinbarung zur Übernahme des amerikanischen Unternehmens ADF/IDF zur Stärkung unseres Nutrition-Portfolios und der Präsenz in den USA.

Stichwort Nachhaltigkeit: Der Unternehmensbericht ist mit dem Motto „Ressourcen entwickeln“ überschrieben. Wie gehen Sie mit dem Thema Rohstoffe um?

In unseren Nachhaltigkeitszielen, die wir parallel zu unseren neuen strategischen Zielen entwickeln, haben wir festgelegt, dass wir 100% unserer wichtigsten Agro- und Aquakultur-Rohstoffe bis 2025 aus nachhaltigen Quellen beziehen wollen. Unsere Bemühungen sind zum Beispiel an den Geschichten im Magazin dieses Berichts zu sehen, wenn wir auf die für die Parfümerie so immens wichtigen Rohstoffe wie Patschuli in Indonesien oder Lavendel in Frankreich schauen. Hier arbeiten wir eng mit den lokalen Erzeugern zusammen, um eine nachhaltige Landwirtschaft zu fördern und gleichzeitig die Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigen Materialien für uns zu sichern. Das ist besonders wichtig, um uns unabhängiger von den volatilen Rohstoffmärkten zu machen. Gleichzeitig setzen wir auf mehr Natürlichkeit, die unsere Kunden und vor allem auch die Verbraucher wünschen.

Wie weit können Sie das Rohstoff-Portfolio umbauen, wenn es um Natürlichkeit geht?

Sehr weit. Für die Bereiche Flavor und Nutrition setzen wir sehr stark auf die enge Zusammenarbeit mit den Erzeugern unserer natürlichen Rohstoffe. Das Thema „Natürlichkeit“ lässt sich auch an anderen Beispielen verdeutlichen, die wir ebenfalls hier im Magazin beschreiben: Wir verwerten immer konsequenter die Seitenströme, die in der Rohstoffverarbeitung für Lebensmittel anfallen, ersetzen künstliche kosmetische Inhaltsstoffe durch Produkte aus nachhaltigen und nachwachsenden Quellen oder nutzen Neben­produkte der Papierindustrie für die Entwicklung von Duftstoffen, die als nachhaltig zertifiziert sind.

»In den vergangenen Jahren sind wir stark gewachsen und mussten deswegen unsere Produktionskapazitäten erweitern, auch, um unsere globale Präsent zu vergrößern.«

Für sein Handeln ist Symrise im Dezember 2018 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie „Nachhaltigstes Großunternehmen“ ausgezeichnet worden. Was bedeutet das für Sie?

Sehr viel, weil die Jury zum zweiten Mal nach 2012 erkannt hat, dass wir ernsthaft daran interessiert sind, das Thema „natürliche und nachhaltig produzierte Rohstoffe“ voranzutreiben sowie dem Klimawandel und dem Rückgang der Artenvielfalt entgegenzuwirken. Unsere vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in aller Welt engagieren sich sehr dafür. Der Preis bedeutet für mich aber auch, dass wir diesen Weg auf genau die richtige Weise gehen: Wir haben die wesentlichen Bereiche identifiziert, in denen wir für unsere Stakeholder etwas bewirken können – und können so Nachhaltigkeit mit wirtschaftlichem Erfolg verknüpfen und die besten Ergebnisse erzielen.

Sie sprachen eben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an. Auch sie sind eine wichtige Ressource, oder?

Sie sind diejenigen, die unseren Erfolg möglich machen. Deswegen tun wir auch sehr viel dafür, die klügsten, geschicktesten und motiviertesten Köpfe für uns zu gewinnen und auch bei uns zu behalten. Bei uns können sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihren Bereichen entwickeln oder auch ganz ungewöhnliche Karrierewege gehen. In diesem Unternehmensbericht zeigen wir auf, wie unterschiedlich diese Karrierewege sein können.

Die Forscher und Entwickler in Ihrer Belegschaft spielen eine große Rolle, wenn es um Innovationen geht. Symrise hält viele ­Patente. Wie wichtig sind diese?

Wir lassen sehr viele Entwicklungen patentieren, das ist richtig. Die Zahl ist aber gar nicht so entscheidend. Wir müssen auf die Relevanz von Innovationen schauen – und da können wir sehr zufrieden sein: Wir stellen rund ein Drittel aller Patente, die in un­serer Branche eine Relevanz auf dem Markt haben. Damit nehmen wir eine führende Position ein. Unser einziges Manko, das wir auch mit anderen Firmen teilen, ist, dass wir immer noch zu wenige dieser Innovationen sehr schnell marktreif bekommen. Aber daran arbeiten wir und haben als großen Vorteil auch die geeignete Rohstoffbasis in verschiedenen Produktbereichen.

43 %

des Umsatzes wird derzeit in
den Emerging Markets erzielt

Ein wichtiger Schwerpunkt liegt in der Industrie momentan auf der Digitalisierung. Wo greifen Sie in dieser Hinsicht an?

Wir wollen vom Produktentwickler und -hersteller zum umfassenden Lösungsanbieter werden – und dafür werden wir zunehmend digitalisierte und vernetzte Prozesse aufsetzen. Beim Thema Digitalisierung können wir aber auch noch mal auf die Innovationen zurückkommen. Ein Beispiel: Wir haben gemeinsam mit dem Thomas J. Watson Research Center von IBM und mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz zwei marktreife Parfüms für den brasilianischen Markt entwickelt. Solche neuen Ansätze wollen wir auch in Zukunft ausprobieren und anwenden.

Zu den eigenen Ressourcen gehören auch die Produktionsanlagen, in die Sie aktuell stark investieren. Warum ist das nötig?

In den vergangenen Jahren sind wir stark gewachsen und mussten deswegen unsere Produktionskapazitäten erweitern, auch, um unsere globale Präsenz zu vergrößern. Außerdem haben wir einige Anlagen umgebaut, um für mehr Effizienz oder auch mehr Nachhaltigkeit zu sorgen. Mit unserem neuen Lager im Hamburger Hafen haben wir zudem unsere Logistik ausgebaut und ein Scharnier zwischen den Weltmärkten und unserer Produktion am Stammsitz in Holzminden geschaffen. Dafür haben wir zusammengenommen allein in den vergangenen Jahren überproportional investiert. Die meisten dieser großen Investitionsprojekte werden wir bis zum Jahr 2022 abschließen. Bis 2025 wollen wir unser CAPEX, also die Investitionsausgaben, wieder auf 4 bis 5 % des Umsatzes verringern.

Sie haben zuvor von den Kunden gesprochen, ihren Wünschen und Anforderungen. Wie entwickeln sich die Märkte für Symrise?

Unsere Kunden sitzen weltweit – und wir wollen in Zukunft auch überall weiter wachsen. Momentan erzielen wir in den Emerging Markets rund 43 % unseres Umsatzes, in Zukunft wollen wir diesen Anteil auf über 50 % steigern. Die Tendenz zeigt klar in diese Richtung: Für das Jahr 2018 verzeichnen wir in Lateinamerika eine Steigerungsrate von 16,2 %, in Asien/Pazifik von 12,4 %. Gleichzeitig wollen wir unser ausgewogenes Kundenportfolio behalten, das aus jeweils einem Drittel globalen, regionalen und lokalen Kunden besteht.

Wie beurteilen Sie das Produktportfolio von Symrise?

In der gesamten Branche haben wir das breiteste Angebot und decken auch die meisten Felder ab, weil wir frühzeitig strategisch über das klassische Duft- und Aromen-Geschäft hinausgegangen sind. Ein Drittel des Umsatzes erzielen wir mittlerweile mit Pet und Baby Food, Probiotika, aktiven kosmetischen Wirkstoffen oder auch funktionalen, gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen. Dieser Anteil soll bis 2025 weiter steigen, dann wollen wir ungefähr je ein Viertel des Umsatzes in den Bereichen Flavor, Fragrance, Care und Nutrition machen.

Können Sie mit diesen vielen Ansätzen aus ganz unterschiedlichen Branchen auch Synergieeffekte erzeugen?

Ja, zum Beispiel mit unseren Innovationen: Wir können diese nicht nur in einem, sondern in vielen Geschäftsfeldern anwenden. Unsere Probiotik-Experten arbeiten zum Beispiel mit Kollegen aus so verschiedenen Bereichen wie Cosmetic Ingredients, Oral Care oder auch Heimtiernahrung zusammen. Wir streben immer an, möglichst viele Teile des Unternehmens zu vernetzen und so einen Mehrwert entstehen zu lassen. Und auch auf diese Weise werden wir das Unternehmen weiter wachsen lassen.